Über diesen Workshop
Meinungsfreiheit ist das seltsame Gefühl, wenn man etwas hört oder liest, was man für vollkommen bescheuert, widerlich oder für längst widerlegt hält. Dieser Satz fällt in dem überhaupt nicht bescheuerten Streitgespräch zwischen Harald Martenstein und Ronen Steinke. Der eine, Martenstein, sieht die Meinungsfreiheit durch einen größeren
Konformitätsdruck, vor allem von links, bedroht; der andere, Steinke,
sieht sie vor allem durch staatliche Eingriffen gefährdet. Diese unterschiedliche Diagnose führt zu verschiedenen politischen Akzentsetzungen: Während Steinke einen Schutzwall gegen mögliche staatliche Übergriffigkeit errichten möchte, unabhängig davon, wer gerade regiert, argumentiert Martenstein stärker gegen konkrete Entwicklungen innerhalb der gegenwärtigen öffentlichen Debattenkultur.
Die ist in Deutschland geprägt von in sich geschlossenen
Blasen. Das Gesprächsformat „Hi!&Nun?"(vormals „High Noon“) soll das
aufbrechen, indem jeweils zwei Kontrahenten mit sehr unterschiedlichen
Standpunkten zwei Stunden lang, kaum moderiert und ungekürzt zu einem kontroversen Thema streiten. Denn darum geht es bei „Hi!&Nun?", dem Duell, das beide überleben.
Gesprächspartner
Ronen Steinke
Ronen Steinke, Dr. jur., geboren 1983 in Erlangen, ist Leitender Redakteur und Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung. Er studierte Jura und Kriminologie, arbeitete in Anwaltskanzleien, einem Jugendgefängnis und beim UN-Jugoslawientribunal in Den Haag. Seine Promotion über die Entwicklung der Kriegsverbrechertribunale von Nürnberg bis Den Haag wurde von der FAZ als „Meisterstück“ gelobt. Seine 2013 veröffentlichte Biografie über Fritz Bauer, den mutigen Ermittler und Ankläger der Frankfurter Auschwitz-Prozesse, wurde mit „Der Staat gegen Fritz Bauer“ preisgekrönt verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Harald Martenstein
Harald Martenstein, 1953 geboren in Mainz, ist Autor zahlreicher Sachbücher und Romane, unter anderem »Ansichten eines Hausschweins«, »Nettsein ist auch keine Lösung« und »Heimweg«. Seine Kolumnen im ZEIT Magazin, in der WELT am Sonntag, im NDR und auf Radio Eins haben Kultstatus. Er wurde unter anderem mit dem Henri-Nannen-Preis, dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Theodor-Wolff-Preis und zuletzt 2024 mit dem Medienpreis für Sprachkritik ausgezeichnet und unterrichtet an Journalistenschulen. Martenstein lebt in Berlin und in der Uckermark.